3. September 2021

Die Bebauung des Elbe-Areals – Zukunft bewahren

Vorgeschichte

Die Firma Elbe Schleifmitteltechnik konnte im Jahr 1989 das hundertjährige Bestehen feiern. Es ist oder war eine Firma mit Tradition in der Stadt. Begonnen hat sie als Schmirgelwarenfabrik, dann kam die Weiterentwicklung zur Herstellung von Formschleifkörpern für das Trommel- und Gleitschleifverfahren bis hin zum Technologieführer für Schleiflösungen. Die Übernahme durch die Comet Schleifscheiben GmbH erfolgte im Jahr 2016. ( www.elbe-abrasives.de)

Mit der Aufgabe des Standorts durch das Unternehmen wurde eine Fläche mit großem Potenzial für die Stadt, das „Elbe-Areal“, frei.

Interesse am Kauf des 1,6 ha großen Elbe-Areals hat bereits im Jahr 2019 die Bietigheimer Wohnbau bekundet. Von ihr wurde die Fläche zwischenzeitlich erworben. Damit konnten die Planungen für neue Wohn- und Gewerbeflächen begonnen werden. Diese mündeten in ein Städtebauliches Konzept (GR-Vorlage 32/2021), das die Grundlage für den Bebauungsplan ist.

Wie sieht die geplante Bebauung aus?

Die Bebauung sieht eine verdichtete gemischte Nutzung von ca. 60 % Wohnbebauung und 40 % Gewerbenutzung vor.

Im Jahr 1895 erfolgte der Bau des ersten Fabrikgebäudes in der Austraße in Bietigheim. Die markanten Backsteingebäude an der Kreuzung Stuttgarter Straße/Bahnhofstraße/Austraße stehen weitgehend unter Denkmalschutz und bleiben erhalten. Sie werden in die geplante Bebauung integriert, bekommen aber eine andere Nutzung.

Die Geschosshöhen der daran anschließenden neuen Baukörper wechseln zwischen drei- und fünfgeschossigen abgestaffelten Baukörpern und zwei siebengeschossigen Punkthäusern.

Diesem Städtebaulichen Konzept und der Aufstellung des Bebauungsplans hat die GAL-Fraktion zugestimmt:

  1. Wir stehen für eine ressourcenschonende Innenverdichtung. Wir wollen keine Zersiedelung und keine weitere Versiegelung des Bodens für flächenfressende Neubaugebiete auf der grünen Wiese im Außenbereich ohne jegliche Verkehrs-, Einkaufs-, Schul- oder Kitainfrastruktur. Durch die aufgelockerte niedrigere Bebauung im Westen hin zur Hans-Stangenberger-Straße sind die Gebäudehöhen an den Bestand angepasst. Eine neue Erschließungsstraße sorgt dafür, dass der Verkehr weitgehend ohne Beeinträchtigung der bestehenden Straßen im Aurain abgewickelt werden kann. Der Anschluss an die neue Energiezentrale Mitte bietet die Chance zur umweltfreundlichen Energieversorgung über Fernwärme.

    Eine Nachverdichtung hat eine Erhöhung der Kubatur innerhalb der bestehenden Bebauung zur Folge. Das ist immer ein heikles Thema, bei dem es abzuwägen gilt. Uns ist jedoch der Erhalt von Natur und Umwelt ein herausragendes Anliegen.

  2. Die Schaffung von Wohnraum – kostengünstigem Wohnraum – ist nur über den Geschosswohnungsbau finanzierbar. Die Zeit der kostenintensiven „Rundumlaufhäuschen“ ist im Speckgürtel von Stuttgart für Normalverdiener vorbei. Damit stehen wir nicht allein. Auch die neugewählte BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch plädiert dafür dichter zu bauen: “Die Ausweisung für Flächen für Einfamilienhäuser hilft uns nicht, wenn es um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum geht. Stattdessen müsse man auf Mehrfamilienhäuser mit mehreren Stockwerken setzen und neue Wohnformen suchen, die den Flächenverbrauch etwas einschränken.“ So im Interview in der Bietigheimer Zeitung am 8. August 2021.

  3. Der Baumbestand und die Grünfläche in diesem niemals öffentlichen, immer nur privaten und den Mitarbeiter*innen zugänglichen Werks-Bereich sollen weitgehend erhalten bleiben. Das ist das erklärte Ziel. Damit dies auch funktionieren kann, wurden im Bereich des Baumbestands die Bauflächen reduziert. Die Tiefgaragen sind ausschließlich unter der Bebauung und nicht unter den Grünflächen vorgesehen. Niemand kann bei großen Bäumen eine seriöse Aussage über eine langfristige Lebenserwartung treffen, immerhin aber bietet die Planung auch langfristig Flächen, auf denen größere Bäume ggf. wieder nachwachsen können.

    Insgesamt ist es natürlich bedauerlich, dass für die Bebauung auch einige Bäume gefällt werden müssen, aber gerade hier wird versucht ein Maximum des vorhandenen Grünbestandes zu erhalten, bei gleichzeitiger Verdichtung und einer Vielzahl von Wohnungen. Das ist im Übrigen auch das Motto des NABU zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung (www.nabu.de). Hier müssen wir den Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie machen. Das bleibt immer eine sehr schwierige Entscheidung, zumal sich einige Fraktionsmitglieder in ihrer Freizeit und im Ehrenamt für die ökologischen Belange als Naturschutzbeauftragter, als Fachwartin für Obst und Garten oder als Streuobstwiesenbesitzer*in engagieren. Also wir wissen wovon was wir reden.

    Man denke nur an die riesengroße Linde im Baugebiet Haslacher Weg in Metterzimmern. Dort hat die Stadtgärtnerei Maßnahmen zum gelungenen Erhalt durchgeführt. Wir sind zuversichtlich, dass dies auch hier klappen wird.

    Das Areal wurde im Hinblick auf den Artenschutz gründlich untersucht, und selbstverständlich müssen zumindest temporär (im Zeitraum der Bautätigkeit) wegfallende Lebensräume, insbesondere für Fledermäuse und Schwalben ausgeglichen werden bzw. später an den Gebäuden wieder geschaffen werden. Dafür hat die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Ludwigsburg eine Vielzahl von Maßnahmen definiert. Hierbei ist der Sanierungsteil an den denkmalgeschützten Gebäuden weitaus stärker betroffen als der Parkbereich. Der nördliche, eher kleingärtnerische Teil des Parks, weist im Übrigen den Gutachten zufolge nur geringe Qualitäten als Lebensraum auf.

    Bietigheim-Bissingen ist von fußläufigen Naherholungsbereichen umgeben. So ist man aus dem Gebiet des Elbe-Areals innerhalb weniger Minuten im Wiesental mit seinen großzügigen Fußwegen, die eine gute Verbindung zwischen den einzelnen Stadtteilen und weiter in die freie Landschaft herstellen, bzw. im Bürgergarten.

  4. Auch im Wohngebiet Aurain sind die fehlenden Parkplätze ein Dauerthema. In den regelmäßig durchgeführten Bürgergesprächen wurde immer wieder auf die Möglichkeit des Anwohnerparkens hingewiesen, um hier regulierende Maßnahmen vorzunehmen, leider bislang, im Gegensatz zum Wohngebiet beim Krankenhaus, erfolglos.

    Entlastung für die Parkplatzsituation wird eine mehrstöckige Mobilitätsstation bringen, welche auf dem Geländer des ehemaligen Postgebäudes an der Stuttgarter Straße geplant ist. Darin werden Parkplätze fürs Wohngebiet, aber auch Carsharing, Ladestationen usw. angeboten. Insgesamt wird sich nachweislich das Mobilitätsverhalten in den kommenden Jahrzehnten verändern. Die Zeit des autogerechten Wohngebiets ist vorbei.

    Dem vermehrten Verkehrsaufkommen wird mit mehreren verkehrlichen Maßnahmen von der Straßenverbreiterung, einer Ertüchtigung des Verkehrsknotenpunkts an der Stuttgarter Straße bis zu Einbahnstraßenregelungen Rechnung getragen.

    Großer Vorteil dieses neuen Wohn- und Gewerbegebiets ist die unmittelbare Nähe zu Bus und Bahn. Es ermöglicht eine hervorragende Nutzung des ÖPNV. Innerhalb von 15 Minuten sind fußläufig alle Einrichtungen der täglichen Nahversorgung, wie Ärzte, Supermarkt, Bäckerei, Schulen, eine neu geplante Kindertagesstätte, ein Optiker und vieles mehr zu erreichen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

    Bei den Firmen werden wir darauf hinwirken, dass die Mitarbeiter über ein Job-Ticket den ÖPNV nutzen.

Fazit: Die Neubebauung des Elbe-Areals ist eine Veränderung, eine Herausforderung und eine Neuausrichtung. Das bietet die Chance für eine ressourcenschonende Innenverdichtung ohne weitere Zersiedelung und Versiegelung im Außenbereich, die gut in das Wohngebiet Aurain eingebunden ist. Mit der vorliegenden Planung wurden die Belangen der Aurain-Anwohner*innen und des Klima- und Naturschutzes weitgehend berücksichtigt.

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